30. Januar 2026
„Op platt kokken“ – Plattdeutsch lebendig im Unterricht der BBS Gesundheit und Soziales
Plattdeutsch ist weit mehr als ein Dialekt – es ist ein Stück regionaler Identität, das es zu bewahren gilt. An den Berufsbildenden Schulen Gesundheit und Soziales wird dieses Ziel aktiv verfolgt. Im Rahmen der „Plattdeutschen Schule“ fand kürzlich eine besondere Unterrichtseinheit statt, die zeigte, wie lebendig und alltagsnah Sprachpflege sein kann.
Die Lehrerinnen Monika Beck und Edda Broekmann gestalteten für die Klasse BFP-1-1 eine plattdeutsche Unterrichtseinheit mit dem Titel „op platt kokken“. Dabei wurde Sprache nicht nur gelernt, sondern erlebt – mit allen Sinnen. Die Schülerinnen und Schüler lasen Rezepte auf Plattdeutsch, tauschten sich über die Begriffe aus und setzten die Anleitungen anschließend praktisch in der Küche um. Dabei galt: So viel Platt wie möglich! Auch wenn es anfangs nur einzelne Wörter oder kurze Sätze waren, trauten sich alle, die Sprache aktiv zu nutzen.
Gekocht wurden typische regionale Gerichte, die vielen noch aus der Kindheit oder von den Großeltern bekannt sind. Auf dem Speiseplan standen unter anderem „Eärpelsoepe“ (Kartoffelsuppe), „Wotteleräpel met Appelmoes“ (Möhren-Kartoffeleintopf mit Apfelmus), „Nijjoars Koken“ (Neujahrskuchen) sowie frisch gebackene Waffeln. Beim gemeinsamen Kochen und Essen wurde deutlich, wie eng Sprache, Kultur und Erinnerungen miteinander verbunden sind.
Ein besonderer Bezug zur beruflichen Praxis ergab sich durch die Ausbildung der Klasse. Viele Schülerinnen und Schüler absolvieren ihr Praktikum in Einrichtungen der Altenpflege. Dort erleben sie immer wieder, wie sehr sich ältere Menschen freuen, wenn sie ihre vertraute Sprache hören – selbst dann, wenn es nur einzelne plattdeutsche Wörter sind. Auch traditionelles Essen weckt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern Erinnerungen und sorgt für Gesprächsanlässe, Nähe und Wertschätzung. Die Unterrichtseinheit zeigte den Lernenden eindrucksvoll, wie wichtig kulturelle und sprachliche Sensibilität im späteren Berufsalltag ist.
Ein besonderes Highlight war der Besuch ehemaliger Hauswirtschaftskolleginnen der BBS Gesundheit und Soziales, die inzwischen im Ruhestand sind. Sie wurden gezielt zu dieser Unterrichtseinheit eingeladen, da sie selbst Plattdeutsch sprechen. Der generationsübergreifende Austausch bereicherte den Unterricht sehr: Es wurde gemeinsam gekocht, geschnackt, gelacht und natürlich Platt gesprochen. Für die Schülerinnen und Schüler war es eine wertvolle Erfahrung, Plattdeutsch authentisch zu hören und im direkten Gespräch anzuwenden.
Die Unterrichtseinheit „op platt koaken“ machte deutlich, wie Sprachförderung kreativ, praxisnah und mit viel Herz umgesetzt werden kann. Sie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Schule aktiv zum Erhalt der plattdeutschen Sprache beiträgt – lebendig, alltagsnah und generationsverbindend.



